Bei MC Bauchemie ist es zu einer Explosion mit schwer verletzten Mitarbeitern gekommen. Dieses Szenario fanden die Übungskräfte vor. (Foto: Heinrich Jung)

Bottrop. Als der Alarm auf der Wache eingeht, wissen die Rettungskräfte nicht, dass für sie ein Szenario hergestellt wurde. So bietet sich ihnen vor Ort das Bild nach einer Explosion mit schwer verletzten Personen. Die Statisten lieferten haarsträubende Realität ab.

Eine schwarze Rauchwolke steigt in die Luft. Verzweifelte Schreie und lautes Stöhnen von verletzten Personen dringen aus den Gebäuden des Industrie-Unternehmens MC Bauchemie. Eine Explosion wurde den Bottroper Einsatzkräften gemeldet. Wie viele Verletzte oder Tote es gibt, ist zunächst noch unklar.

Was hier so dramatisch in Szene gesetzt wurde, ist eine Übung unter äußerst realistischen Bedingungen. Das Ziel: Testen der Einsatzkonzeptionen bei Unfällen mit Gefahrstoffen und Verletzten.

Geschrei auf dem Hof

Noch lachend marschierten die 20 Darsteller in das Gebäude, wo sie nur wenige Minuten später von den rund 200 Einsatzkräften gerettet werden sollen. Die Statisten gehören der DLRG an. Ein professionelles Make-up fügte ihnen schwere Brandverletzungen und Verätzungen zu. Nun bereitet man sich auf den Auftritt vor. Theresa Nagenborg ist seit vier Jahren bei der DLRG. „Mir macht es einen Riesenspaß, mich so zu schminken und zu schauspielern.“

Es geht los, die Feuerwehr rückt an. Der Einsatzleiter verschafft sich kurz einen Überblick und organisiert die Gruppenführer. Die einen erkundigen sich über den auslaufenden Giftstoff. Zur gleichen Zeit bauen Feuerwehrleute das große Dekontaminationszelt auf. Wenige Sekunden später ziehen andere Kräfte schon die ersten „Verletzten“ aus dem Gebäude.

Geschrei macht sich auf dem Hof breit. „Wo ist mein Freund?“, stöhnte eine Schauspielerin panisch. Es wirkt so täuschend echt, dass selbst der Außenstehende nervös wird und am liebsten helfen würde. Doch Feuerwehr und Sanitäter bleiben ruhig, nehmen die Situation in den Griff. Professionell wirkt das, ein Unterschied zwischen Übung und Realität lässt sich nicht ausmachen. Jeder Handgriff sitzt.

Erstversorgung

Weitere Verletzte werden geborgen. Im gelben Schutzanzug versorgen einige Feuerwehrleute die „kontaminierten“ Personen, schneiden deren Kleidung auf und reinigen sie im Zelt, bevor sie dann an die Sanitäter übergeben werden. Sie leisten Erstversorgung und bringen die Patienten in ein Krankenhaus.

Florian Alfers ist seit elf Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Die Arbeit fasziniert mich immer wieder. Ich bin stolz, anderen Menschen helfen zu können.“

Hinter dem Zelt ist die Sammelstelle für die Verletzten. Es werden n Wunden verbunden und Katheter gesetzt. Hier geht es nicht nur um medizinische Versorgung. Sanitäter wie Feuerwehrleute wirken beruhigend auf die Betroffenen ein. Nach und nach werden die Verletzten abtransportiert. Neue kommen hinzu, denn noch immer befinden sich Menschen in den Gebäuden, ihre panischen Stimmen verraten sie.

„Da wir keine eigene Werksfeuerwehr haben, ist uns die Zusammenarbeit mit der Bottroper Feuerwehr sehr wichtig“, erklärt Michael Schilf, Betriebsleiter der MC Bauchemie. „So ist es für uns selbstverständlich, der Feuerwehr unseren Betrieb als Übungsplatz zur Verfügung zu stellen. Denn wir können ebenfalls daran erkennen, ob unsere theoretischen Abläufe im Falle eine Explosion oder eines Brandes funktionieren!“

Copyright: Derwesten.de 14.09.2014 | 15:37 Uhr

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